Fundstücke - Grenzgänger
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Eine Einleitung

Und da war er wieder. Dieser kleine Glücksmoment. Diese plötzliche Gewissheit, dass das Leben es gut mit ihr meinte.

Eine Geschichte über die Balance zwischen Lebenshunger und Verzweiflung, über Momente voller lautem Lachen und sturem Nicht-Aufgeben, über stilles Glück und das ganz normale Leben und dem, was einem am Ende in Erinnerung bleibt – das ist »Grenzgänger« von Mechtild Borrmann.

Uns hat die Geschichte der »Grenzgänger« diese kleinen Glücksmomente im Leben wieder nähergebracht – und das wollen wir weitergeben.

Es sind nicht nur die großen Momente, die das eigene Leben ausmachen und die wir selbst fleißig dokumentieren – wie ein Schulabschluss, die Geburt eines Kindes, der Tod eines Elternteils. Auch wenn diese unseren persönlichen Lebenslauf definieren, spielt sich das eigentliche Leben doch in dessen Lücken ab: in den kleinen, alltäglichen Momenten, die voller Bedeutung sein können.

Von Henriette Bernhard, geborene Schöning, soll hier die Rede sein. Von ihrem Mut und Übermut, von ihrem Glück und Unglück, von ihrer Schuld und Unschuld und dem Bedürfnis, das Richtige zu tun.

In ihren ausgetretenen, grau karierten Hausschuhen humpelt Elsa zum Herd. Auf dem Kühlschrank steht die Isolierkanne, die sie sich vor drei Jahren gegönnt hat. Seither kocht sie morgens eine ganze Kanne Kaffee, und der bleibt bis zum Nachmittag heiß. Sie stellt den Porzellanfilter mit der Filtertüte auf die Kanne, löffelt Kaffeepulver hinein und gießt kochendes Wasser darüber. Der Duft breitet sich aus, füllt die bescheidene Küche.

Sie würde erzählen, wie Henni wirklich war oder, besser, wie sie gewesen war.


Wir wünschen viel Spaß beim Entdecken.