Fundstücke - Grenzgänger
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Fundstücke

»Grenzgänger« fing an mit alten Fotos auf einem Flohmarkt und der Frage, welche Geschichten sich wohl hinter diesen Momenten und Zeitzeugnissen verbergen könnten.

Aber lassen wir die Bestsellerautorin Mechtild Borrmann doch selbst erzählen:

Vor etwa fünf Jahren entdeckte ich auf einem Flohmarkt ein Fotoalbum aus dunkelbraunem Leder, abgegriffen vom häufigem zur Hand nehmen. Alte Porträtfotos, in einem Studio aufgenommen, Bilder von Hochzeiten, Gruppenbild mit Reitern vor einem Bauernhof. Wanderer vor einem Wegkreuz und andere in Arbeitskleidung vor einem Werktor. Auf den schwarzen Kartonseiten in filigraner Schrift: Daten, Namen, Anlässe.

Ich habe es gekauft. Nicht weil ich es besitzen wollte, eher, weil es dort nicht mehr liegen sollte. So hat es begonnen. Im Internet habe ich weitere gefunden, inzwischen besitze ich über zwanzig. Familienchroniken, Menschen, deren Leben über Jahrzehnte dokumentiert ist. Karla, Frieda, Wilhelm oder der blutjunge Richard, gefallen 1943. Blicke und Körperhaltungen, Wohnungen, Arbeitsplätze und Landschaften, in denen sie zuhause waren. Und dazwischen eine Serie Gruppenfotos von Kindern. Ich dachte an Schulklassen, aber die Kinder waren unterschiedlich alt. Unter einem Bild stand in ungeübter Schrift:
Kinderheim 1950.